Kunstpalast zeigt futuristische Mode der Sixties

Düsseldorf – Die Models trugen Minikleider, dazu hohe Stiefel und Handschuhe aus schwarzem Lackleder und auf dem Kopf eine schwarze Haube in Form eines Heiligenscheins: Mit diesem futuristischen Look machte der Pariser Modeschöpfer Pierre Cardin 1968 Furore.

Der Freund geometrischer Formen erregte nicht nur in der Modewelt Aufsehen: mit Hosenbeinen, die in Kreisen enden, oder Sonnenbrillen, die in ihrer Größe an Bullaugen erinnern. Jetzt zeigt der
Düsseldorfer Kunstpalast Kreationen des 97 Jahre alten Pariser Modeschöpfers.

Die Schau «Pierre Cardin. Fashion Futurist» präsentiert an Puppen mehr als 80 Haute-Couture-Kleider und Accessoires für Frauen und Mode für Männer, meist aus den 1960er und 1970er Jahren. «Die Bandbreite der ausgestellten Kreationen reicht vom jungen, androgynen Look über futuristische Space-Age-Mode bis zur traumverlorenen Eleganz der Abendmode», erklärte der Kunstpalast. Die roten Overknees aus Lackleder sind auch Jahrzehnte später noch Hingucker. Ein Outfit war für Cardin nur mit dazu entworfenem Hut und Schuhen komplett.

Der Meister selbst schaut aus Prinzip nach vorne: «Meine liebsten Kleider sind diejenigen, die ich für ein Leben schaffe, das es noch gar nicht gibt», zitiert ihn das Museum. Der futuristische Zeitgeist in Zeiten der ersten Star-Trek-Folgen in den 1960ern spiegelt sich in seiner Mode, in grellen Farben, auffälligen Schnitten und starken Kontrasten. Seine Begeisterung für Astronauten war so groß, dass Cardin sich 1969 einen Raumanzug anzog und fotografieren ließ.

Barbara Til, die Kuratorin der Schau, würdigt das handwerkliche Können des 1922 Geborenen. «Man merkt, dass er das Schneidern von der Pike auf gelernt», sagt die Ausstellungsmacherin. Pierre – als gebürtiger Italiener Pietro – Cardin hatte vor seiner Ankunft in Paris bei führenden Herrenschneidern in Frankreich gelernt. 1946 wurde er Assistent bei Christian Dior in Paris, vier Jahre später hatte er schon sein eigenes Unternehmen.

Die 1960er Jahre waren wichtig. «Er hatte Anteil an der entscheidenden Phase, in der die Mode Pop wurde und als Massenmedium explodierte», schreibt die Professorin für Designtheorie, Ingeborg Harms, im Katalog. Dann wurde der geschäftstüchtige Modemacher der «König des Brandings». Er versah Möbel, Autos, Zigaretten, Wecker, Schlüsselanhänger, Socken und vieles mehr mit seinem Namen.

Seine Kreationen wurden auch von berühmten Frauen geschätzt: Die US-amerikanischen Schauspielerinnen Lauren Bacall und Raquel Welch sowie die französische Ikone Jeanne Moreau trugen seine Schöpfungen. Auch Twiggy präsentierte seine Kleider, etwa ein weißes Cocktail-Kleid mit Fellkragen, durchsichtigem Cape und großer Schleife. Bis heute ist Cardin alleiniger Eigentümer seines Unternehmens. Die Exponate in Düsseldorf, die aus seinem Museum in Paris stammen, wurden beim Medienevent am Mittwoch (18. September) von Cardin-Neffe Rodrigo Basilicati Cardin präsentiert.

Fotocredits: Roland Weihrauch,Roland Weihrauch,Yoan Valat,Roland Weihrauch
(dpa)



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