By - - Kommentare deaktiviert für Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern: Ursachen und Lösungen

Frauen und Männer werden oftmals ungleich bezahlt. Die Debatte um den Gehaltsunterschied wird immer lauter, Ursachen sollen gefunden werden. Ein Teil der Differenz lässt sich auf nachvollziehbare Faktoren zurückführen, aber ein kleiner Prozentsatz ist nicht zu erklären. Wie hoch ist die Differenz zwischen der Entlohnung von Frau und Mann wirklich? Wie lässt sich die Lohnlücke erklären und wie kann man als Betroffene dagegen vorgehen?

Wie hoch ist der Unterschied?

Aktuell liegt die Lohndifferenz zwischen den Geschlechtern bei einem unbereinigten Wert von 21%. Allerdings gibt es auch einen bereinigten Wert, der die Differenz mit nur noch 6% ausschreibt. Der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn wird als „Gender Pay Gap“ bezeichnet. In der Europäischen Union ist einheitlich geregelt, wie dieser zu berechnen ist. Bei Angabe des unbereinigten Wertes werden Beschäftigungsumfang, Verteilung auf Branchen bzw. Berufsgruppen sowie Ausbildung, Position und Berufserfahrung nicht berücksichtigt.

Das Statistische Bundesamt, das die Berechnung für Deutschland durchführt, gibt auch einen bereinigten Wert an. In diesen Gender Pay Gap fließt nur der Teil des Verdienstes ein, der nicht auf sogenannte strukturelle Unterschiede zurückzuführen ist. Strukturelle Unterschiede können in der Berufswahl, im Beschäftigungsumfang, im Bildungsstand oder in der Berufserfahrung begründet sein. Da eine Berechnung, die all dies berücksichtigt, deutlich komplizierter ist, wird der bereinigte Wert nur alle vier Jahre ermittelt. Zuletzt war dies 2014.

Was für Gründe gibt es für die Gender Gap?

Die Differenz zwischen dem unbereinigten und bereinigten Wert wird als „unerklärte Einkommenslücke“ bezeichnet. Bei der Debatte um die Gender Pay Gap werden immer wieder Stimmen laut, dass Diskriminierung Grund für den Unterschied ist. Allerdings existieren neben dieser Ursache noch viele weitere: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, sind teilweise geringer qualifiziert als Männer oder arbeiten in eher gering bezahlten Branchen. Was allerdings nicht erklärt ist, ist der Umstand warum typische „Frauenberufe“ im Erziehungs-, Pflege- und Gesundheitsbereich prinzipiell schlechter bezahlt sind als „Männerberufe“ im technischen Sektor.  

Manch einer begründet die Einkommenslücke auch damit, dass Frauen schlicht schlechter verhandeln als Männer.

Wie kann man dagegen vorgehen?

Ein häufiger Vorwurf in der Debatte ist die schlechtere Verhandlungsfähigkeit von Frauen. Häufig ist das weibliche Geschlecht tatsächlich bescheidener und genügsamer. Ändern kann daran jede Frau nur selbst etwas, indem sie für sich, ihre Leistung und ihr Können einsteht. Wer sich dennoch nicht traut, gleich über eine große Summe Geld zu verhandeln, kann auch Urlaubstage oder Dienstwagen zum Verhandlungsgegenstand machen. Gerade letzteres ist für den Arbeitgeber häufig kein Nachteil, da er die Kosten absetzen kann. Da man das erhaltene Firmenfahrzeug als geldwerten Vorteil beim Finanzamt angeben muss, sollte man ermitteln, welches Rechenmodell (Fahrtenbuch oder 1%-Regelung) sich im individuellen Fall lohnt. Hilfreich ist dabei dieser Rechner.

Was die Politik leistet bzw. leisten sollte

Ein häufiger Grund für die ungleiche Bezahlung ist die lange Abwesenheit von Frauen vom Arbeitsplatz aufgrund der Betreuung des Nachwuchses. Helfen könnte ein früherer Wiedereinstieg in das Berufsleben, allerdings müsste es dafür mehr (und bessere) Kinderbetreuungsmöglichkeiten geben.

Frauen verdienen in typischen „Frauenberufen“ einfach weniger. Das stimmt leider. Abhilfe kann hier nur eine gerechtere Bezahlung aller Berufsgruppen in Bezug zueinander bieten. Pflegeberufe sollten höher sowie wichtiger eingestuft werden, als es bislang der Fall ist.

Das Lohntransparenzgesetz soll zur Besserung der Differenz beitragen. Das Gesetz ist seit Anfang 2018 in Kraft. Es besagt, dass Beschäftigte unter bestimmten Voraussetzungen Auskunft erhalten dürfen, was Kollegen des anderen Geschlechts mit ähnlichen Tätigkeiten verdienen.

Fazit

Die Einkommenslücke ist real und nicht vollständig erklärbar. Um dieser entgegenzuwirken, müssen die gesellschaftlichen Strukturen überdacht und angepasst werden. Außerdem sollten Frauen sich mehr wert sein und in manchen Fällen auch mehr trauen. Man sollte als Frau bei den Verhandlungen für eine gerechtere Vergütung einstehen und sich auch „Männerberufe“ zutrauen – wenn sie den eigenen Interessen entsprechen. Auch Entscheidungen, wie der Schritt in die Selbstständigkeit sollte man sich zutrauen. Argumente, wie die Angst vor der Buchhaltung zählen hier nicht. Es gibt unzählige Programme, die man unterstützend zur Rechnungserstellung heranziehen kann. Einen Ratgeber darüber, worauf man bei der Auswahl achten muss, findet man hier.

Artikelfoto: Pixabay, 440139, geralt